Was Steinel belegt
Zur Artikelnummer 079734 stellt Steinel sowohl ein Datenblatt als auch eine Bedienungsanleitung bereit, und beide sind ungewöhnlich vollständig. Belegt sind 942 Lumen bei 9,4 Watt Leistungsaufnahme, was einer Effizienz von 100 Lumen pro Watt entspricht. Die Lichtfarbe liegt bei 3000 Kelvin, der Farbwiedergabeindex bei Ra 82, die Farbkonsistenz bei SDCM 3 als Anfangswert. Das Gehäuse misst 280 Millimeter im Durchmesser bei 110 Millimetern Höhe und wiegt laut der Steinel-Produktseite 0,437 Kilogramm, die Abdeckhaube besteht aus PMMA. Steinel nennt Schutzart IP44, Schlagfestigkeit IK03 und Schutzklasse II. Der Sensor arbeitet mit Hochfrequenztechnik auf 5,8 Gigahertz und erfasst über 360 Grad, laut Bedienungsanleitung mit einem Öffnungswinkel von 160 Grad. Der Erfassungsbereich ist von 1 bis 8 Metern einstellbar und deckt bei voller Einstellung 50 Quadratmeter ab, die mögliche Montagehöhe reicht von 2,00 bis 4,00 Metern. Die Nachlaufzeit lässt sich stufenlos von 5 Sekunden bis 15 Minuten einstellen, die Dämmerungsschwelle von 2 bis 2000 Lux. Dazu kommen ein Grundlicht mit 10 Prozent der Lichtleistung für 10 Minuten, 30 Minuten oder die ganze Nacht, ein Softlichtstart und ein schaltbares Dauerlicht über 4 Stunden. Alle Einstellungen laufen über Drehregler im Gehäuse, eine Fernbedienung gibt es nicht. Angeschlossen wird an 220 bis 240 Volt bei 50 bis 60 Hertz, der Netzstrom liegt bei 45 Milliampere, der Leistungsfaktor bei 0,91. Bis zu zehn Leuchten lassen sich per Kabel im Master/Master-Betrieb vernetzen. Lichtquelle und Betriebsgerät sind ausdrücklich nicht austauschbar, die Energieeffizienzklasse der enthaltenen Lichtquelle lautet E.
Warum radial und tangential hier ausnahmsweise dasselbe sind
Hier liegt der eigentliche Unterschied zu den bekannten Steinel-Strahlern mit Infrarotsensor. Bei einem Passiv-Infrarot-Sensor wie im XLED ONE S klaffen radiale und tangentiale Reichweite weit auseinander, weil der Sensor Wärmequellen registriert, die seine Erfassungssegmente durchqueren. Wer frontal auf die Leuchte zugeht, wird deutlich später erkannt als jemand, der quer vorbeiläuft. Beim RS 20 S ist das anders. Das Datenblatt führt radiale und tangentiale Reichweite als zwei getrennte Zeilen auf und nennt für beide denselben Wert, nämlich einen Durchmesser von 8 Metern und eine Fläche von 50 Quadratmetern. Die Erfassungsgrafik zeichnet folgerichtig nur eine einzige Fläche und beschriftet sie mit dem Hinweis, dass sie für radial und tangential gilt. Der Grund steht in der Anleitung: Der Hochfrequenzsensor sendet elektromagnetische Wellen aus und wertet die Veränderung des zurückkommenden Echos aus. Das funktioniert richtungsunabhängig und, wie Steinel ausdrücklich schreibt, auch temperaturunabhängig. Dieser Vorteil ist real, die Falle liegt an einer anderen Stelle. Die Anleitung definiert den Begriff Reichweite nämlich so: gemeint ist der etwa kreisförmige Durchmesser auf dem Boden, der sich bei einer Montage in 2,5 Metern Höhe als Erfassungsbereich ergibt. Die 8 Meter sind also der Durchmesser, nicht die Reichweite in jede Richtung. Vom Montagepunkt aus sind es rund vier Meter, und die genannten 50 Quadratmeter bestätigen genau diese Rechnung. Der Angebotstext beschreibt das als Reaktion auf Bewegungen in 1 bis 8 Metern Reichweite, was sich doppelt so weit liest, wie es gemeint ist. Zwei Feinheiten aus der Anleitung kommen dazu: Sehr schnelle Bewegungen unterdrückt der Sensor zur Störungsminimierung, und nach jedem Abschaltvorgang pausiert die Erfassung etwa eine Sekunde.
Wo Datenblatt und Bedienungsanleitung auseinandergehen
Vier Angaben stehen in den beiden Dokumenten unterschiedlich. Beim Eigenverbrauch nennt das Datenblatt 0,38 Watt, die Bedienungsanleitung dagegen 0,50 Watt Standby-Leistung für den Sensor. Das klingt nach wenig, betrifft aber ein Gerät, das rund um die Uhr am Netz hängt: Über ein Jahr gerechnet sind das etwa 3,3 gegenüber etwa 4,4 Kilowattstunden, also ein Unterschied von rund einem Drittel. Beim Temperaturbereich ist die Abweichung noch deutlicher. Datenblatt und Produktseite nennen 10 bis 40 Grad Celsius, die Bedienungsanleitung dagegen minus 10 bis plus 40 Grad Celsius. Zwanzig Kelvin Unterschied entscheiden darüber, ob ein ungeheizter Kellergang, eine Garage oder ein offenes Treppenhaus im Winter überhaupt noch im spezifizierten Bereich liegen. Bei der Lebensdauer wirbt das Datenblatt mit 30 Jahren bei durchschnittlich 4,5 Betriebsstunden am Tag, was rechnerisch auf etwa 49.000 Stunden hinausläuft. Die Bedienungsanleitung nennt dagegen eine mittlere Bemessungslebensdauer von 60.000 Stunden nach L70B50 bei 25 Grad Celsius. Auch die Sendeleistung des Sensors steht einmal als kleiner als 1 Milliwatt und einmal als etwa 1 Milliwatt. Dazu kommen zwei Lücken statt Widersprüche: Den Farbwiedergabeindex Ra 82 findest du ausschließlich in der Anleitung, das Datenblatt nennt nur die Farbkonsistenz. Umgekehrt tauchen der beworbene Softlichtstart und die Vernetzung von bis zu zehn Leuchten im deutschen Teil der Anleitung überhaupt nicht auf, weder als Beschreibung noch als Anschlussanweisung. Wie lange der Softlichtstart bis zur vollen Helligkeit braucht, steht in keinem der beiden Dokumente. Für die Einstellung am Gerät gilt deshalb: Verlass dich auf das Papier, das im Karton liegt.
Innenleuchte mit IP44: was die Schutzart hergibt und was nicht
Steinel führt das Modell als Sensor-LED-Innenleuchte und trägt unter Anwendungsort ausdrücklich Innenbereich ein. Zwei Zeilen weiter, unter Anwendungsraum, steht neben Flur, Treppenhaus, Umkleide, Teeküche, Funktionsraum sowie WC und Waschraum allerdings auch der Außenbereich. Die Bedienungsanleitung löst das im Abschnitt zum bestimmungsgemäßen Gebrauch auf, und zwar deutlich zurückhaltender: Im Außenbereich sei die Leuchte wegen der sensitiven Erfassung nur bedingt einsetzbar. Das ist eine Einschränkung, keine Freigabe. IP44 bedeutet Schutz gegen feste Fremdkörper ab einem Millimeter und gegen allseitiges Spritzwasser. Das reicht für ein Bad, einen Waschraum oder einen überdachten Eingang, es reicht nicht für Strahlwasser, für die Reinigung mit einem Hochdruckreiniger oder für eine Position, an der Schlagregen direkt auf die Leuchte trifft. Wo eine Leuchte in einem Badezimmer genau sitzen darf, richtet sich zusätzlich nach den Installationsbereichen der geltenden Vorschrift und gehört in die Beurteilung der Elektrofachkraft. Der zweite Grund für Zurückhaltung im Freien ist der Sensor selbst. Ein Hochfrequenzsensor erfasst laut Datenblatt gegebenenfalls durch Glas, Holz und Leichtbauwände hindurch, die Anleitung nennt zusätzlich Türen und dünne Wände. Der Angebotstext verkauft genau das als Vorteil. In der Störungstabelle derselben Anleitung taucht es als Ursache auf: Wenn die Leuchte scheinbar grundlos einschaltet, liegt es unter anderem an Bewegung hinter einer Wand. Im Treppenhaus ist dieses Verhalten praktisch, an einer Zimmerwand zum Nachbarn oder an einer Hauswand direkt am Gehweg kann es zum dauerhaften Ärgernis werden. Wer im Freien Licht ohne feste Zuleitung braucht, ist mit einer Solarlösung ohnehin näher an der Aufgabe.
Fester Netzanschluss, Schutzklasse II und die Grenzen bei der Montage
Die Leuchte hat weder Kabel noch Stecker, sie wird fest an 230 Volt angeklemmt. Steinel schreibt dazu unmissverständlich, dass es sich um eine Arbeit an der Netzspannung handelt, die fachgerecht nach den landesüblichen Installationsvorschriften auszuführen ist, und nennt namentlich VDE 0100 für Deutschland, ÖVE und ÖNORM E8001 Teil 1 für Österreich sowie SEV 1000 für die Schweiz. Vor der Montage ist die Zuleitung freizuschalten und mit einem Spannungsprüfer auf Spannungsfreiheit zu prüfen. Wer das nicht selbst darf oder sich nicht sicher ist, beauftragt eine Elektrofachkraft. Praktisch heißt das auch: Diese Leuchte ist keine Lösung für eine Wohnung ohne vorhandenen Deckenauslass und kein Ersatz für eine Leuchte mit Stecker. Die Schutzklasse II bedeutet, dass die Leuchte selbst keinen Schutzleiter benötigt. Die Anleitung beschreibt die Zuleitung trotzdem als dreiadriges Kabel, weil an der Klemme neben Phase und Neutralleiter noch die geschaltete Phase liegt, über die die Vernetzung läuft. Ein Vertauschen der Anschlüsse führt laut Hersteller zum Kurzschluss. Zwei Einschränkungen sind leicht zu übersehen: Der Anschluss an einen Dimmer beschädigt die Sensorleuchte, und für die Deckenmontage ist sie bei einer Zuleitung über Putz ausdrücklich nicht geeignet. Für die Dauerlichtfunktion über 4 Stunden brauchst du zusätzlich einen Netzschalter in der Zuleitung, den du zweimal innerhalb von 0,2 bis 1 Sekunde aus und wieder einschalten musst. Nach dem ersten Einschalten läuft außerdem eine Einmessphase, in der sich die Leuchte nach 10 Sekunden einmal abschaltet. Und weil weder Lichtquelle noch Betriebsgerät austauschbar sind, ist am Ende der Lebensdauer die komplette Leuchte fällig, samt der zugehörigen Elektroarbeit.
Was die Daten nicht beantworten
Trotz der dichten Dokumentation bleiben genau die Fragen offen, die im Alltag zählen. Steinel nennt keinen einzigen Beleuchtungsstärkewert. Wie viel Lux auf dem Boden ankommen, wenn die Leuchte in 2,5 oder in 4 Metern Höhe hängt, steht nirgends, obwohl das darüber entscheidet, ob 942 Lumen für deinen Raum reichen. Es gibt keine Angabe zur Blendung, keinen UGR-Wert und keine Aussage zum Flimmern des Lichts. Der Softlichtstart wird beworben, aber an keiner Stelle beschrieben, weder mit einer Anfahrdauer noch mit einer Kurve. Zum Verhalten gegenüber Haustieren fehlt jede Schwelle, und das wiegt bei einem Hochfrequenzsensor schwerer als bei einem Infrarotsensor, weil er auf Bewegung und nicht auf Wärme reagiert. Ob sich mehrere dieser Leuchten in benachbarten Räumen gegenseitig beeinflussen, klärt der deutsche Teil der Anleitung nicht. Auch die Vernetzung bleibt unterdokumentiert: Dass bis zu zehn Leuchten zusammengeschaltet werden können, steht auf dem Datenblatt, die beiden Schaltpläne liegen dort als Zeichnung bei, eine erklärende Passage im Textteil fehlt. Auffällig ist außerdem, dass die Anleitung an zwei Stellen von einem Notlichtmodul und einer Notlichtleuchte spricht, obwohl das Datenblatt für dieses Modell keine Notlichtfunktion führt. Das deutet auf ein Dokument hin, das mehrere Baureihen gemeinsam abdeckt, und ist ein Grund mehr, bei Produktdaten dem Datenblatt zu folgen und bei Einstellwerten dem beiliegenden Heft.
Unsere Einordnung
Der RS 20 S ist für seinen Zweck sauber konstruiert und ungewöhnlich gut belegt. Ein Hochfrequenzsensor, der in alle Richtungen gleich weit erfasst und nicht auf Temperaturunterschiede angewiesen ist, löst genau das Problem, an dem Infrarotleuchten in Fluren und Treppenhäusern regelmäßig scheitern, nämlich den Menschen, der frontal auf die Leuchte zugeht. Die Enttäuschung entsteht an einer anderen Stelle, und zwar bei der Fläche. Wer die 8 Meter als Radius liest, plant mit rund 200 Quadratmetern und bekommt 50. Für einen Flur, ein Treppenpodest oder einen kurzen Kellergang ist das reichlich, für eine große Garage oder einen langen Gang mit Abzweigen brauchst du mehrere Leuchten, und genau dafür ist die Vernetzung gedacht. Beim Licht selbst sind die Grundlichtfunktion mit 10 Prozent und der Softlichtstart für ein nächtliches Treppenhaus die sinnvolleren Argumente als die Lumenzahl, denn beides verhindert den harten Sprung von dunkel auf hell. Prüfe vor dem Kauf zwei Dinge: ob an der geplanten Stelle wirklich eine feste Zuleitung liegt und ob sie unter Putz kommt, und wie kalt es dort im Winter wird. Beim zweiten Punkt widersprechen sich die Herstellerunterlagen, und im Zweifel würden wir uns an der vorsichtigeren Angabe orientieren. Für Wohnräume im engeren Sinn ist diese Leuchte ohnehin nicht gedacht, sie gehört in Funktionsräume und Verkehrsflächen.
Weiterlesen: Steinel XLED ONE S mit Infrarotsensor zum Vergleich, Steinel XLED home 2 XL für größere Flächen, wie viel Lumen ein Raum braucht, was Standby und Grundlicht im Jahr an Strom kosten und unsere Quellenregeln.