Was Linkind belegt
Die Quellenlage ist ungewöhnlich. Es gibt Herstellerunterlagen zu genau dieser Modellkennung, und sie widersprechen sich gegenseitig. Belastbar sind drei Dokumente, die dem Angebot als Bilddateien beiliegen: zwei EU-Produktdatenblätter nach der Verordnung 2019/2015 und das zugehörige Energielabel. Alle drei tragen die Handelsmarke Linkind und die Modellkennung L100030360, die auch in der Attributtabelle des Angebots als Modell- und Artikelnummer steht. Als Anschrift des Lieferanten nennen die Blätter einen After-Sales-Service im Fu Fai Commercial Centre, Hillier Street, Sheung Wan, Hongkong. Eine EPREL-Eintragungsnummer steht auf keinem der beiden Blätter. Gemeinsam belegen sie eine LED als gerichtete Lichtquelle mit Sockel GU10 im Netzspannungsbetrieb, nicht vernetzt, nicht farbig abstimmbar und ohne Blendschutzschild. Dazu 2700 Kelvin, einen Farbwiedergabeindex von 80, einen R9-Wert von 11, eine Farbkonsistenz von 3 MacAdam-Ellipsen, einen Lichtstromerhalt von 0,93, einen Lebensdauerfaktor von 0,90, einen Verschiebungsfaktor cos phi1 von 0,50, eine Bereitschaftsleistung von 0,00 Watt, eine Flimmer-Messgröße Pst LM von 0,2, eine Stroboskop-Messgröße SVM von 0,1, eine Spitzenlichtstärke von 252 Candela, einen Abstrahlwinkel von 110 Grad, Abmessungen von 54 Millimetern Höhe bei 50 Millimetern Breite und Tiefe, einen Energieverbrauch von 6 Kilowattstunden je 1000 Stunden und die Energieeffizienzklasse E.
Die Markenseiten helfen nicht weiter. Die Kontaktseite der Marke nennt die Aidot Technology Inc mit Anschrift in Smyrna, Georgia, und weder eine europäische Niederlassung noch einen EU-Bevollmächtigten. Die Leuchtmittel-Übersicht der Marke führt als einzige GU10 eine Matter-Smartlampe und stellt keine Datenblätter zum Herunterladen bereit. Die deutschsprachige Markenseite ist eine reine Werbeseite mit Verweis auf den Marktplatz, nennt als GU10 nur eine Lampe mit 2,5 Watt und 415 Lumen und trägt kein Impressum mit deutscher Anschrift. Die Domain linkind.eu antwortet gar nicht, die Supportseite von linkind.com antwortet mit 404. Das Angebot selbst läuft unter der ASIN B08GFMZ674. Marktplatz-Listings verlinken wir grundsätzlich nicht.
Dimmbar oder nicht: dieselbe Modellkennung, zwei Antworten
Drei Angaben gehen zwischen den beiden Datenblättern auseinander, und die erste ist die kaufentscheidende. Beim Punkt Dimmbarkeit trägt das englische Blatt unter Dimmable den Wert No ein, das französische zur identischen Modellkennung unter Utilisation avec un variateur den Wert Oui. Es handelt sich nicht um zwei Varianten, sondern um zwei Unterlagen zum selben Modell. Solange der Hersteller das nicht auflöst, ist die Dimmbarkeit dieser Lampe nicht belegt, sondern behauptet. Die zweite Abweichung betrifft die Leistungsaufnahme im Ein-Zustand: 9,4 Watt im englischen, 6,2 Watt im französischen Blatt. Beide nennen dabei denselben Energieverbrauch von 6 Kilowattstunden je 1000 Stunden, was rechnerisch rund 6 Watt entspricht und damit zur französischen, nicht zur englischen Zahl passt. Die dritte Abweichung ist die kleinste: 591 Lumen englisch, 600 Lumen französisch. Die im Angebot genannten 5,7 Watt und 560 Lumen stehen in keiner der Unterlagen.
Wer trotzdem dimmen möchte, steht vor einer zweiten Lücke. Weder die Markenseiten noch die beiden Datenblätter nennen einen Dimmertyp, unterscheiden zwischen Phasenanschnitt und Phasenabschnitt oder geben eine Mindestlast an. Fünf Lampen an einem Dimmer kommen bei 6,2 Watt je Lampe auf rund 31 Watt Anschlussleistung und liegen damit unter der Mindestlast mancher älterer Dimmer. Wie ein sauber dokumentierter Fall aussieht, zeigt unser Datencheck zur Philips LED Classic GU10. Dort trägt Philips den Eintrag Dimmbar Nein widerspruchsfrei in ein einziges Datenblatt ein und nennt zusätzlich Nennlebensdauer, Schaltzyklen und eine EPREL-Nummer. Diese Philips-Werte stammen aus unserer eigenen, bereits veröffentlichten Seite und nicht aus einer für diesen Datencheck neu geöffneten Quelle. Der Unterschied liegt nicht im Ergebnis, sondern in der Belegqualität: Eine klare Absage ist als Kaufinformation mehr wert als ein Ja, das ein zweites Blatt desselben Herstellers wieder einkassiert. Wer die Helligkeit ohne Wanddimmer regeln will, findet in der smarten Beleuchtung den Weg, bei dem die Regelung in der Lampe sitzt. Für E27-Fassungen haben wir dieselbe Frage im Datencheck zur Osram Superstar Plus E27 aufgedröselt.
36 Grad im Titel, 110 Grad in jeder Unterlage
Der zweite Widerspruch verlässt die Datenblätter und betrifft das Angebot selbst. Der Titel nennt einen Abstrahlwinkel von 36 Grad. Beide EU-Produktdatenblätter nennen 110 Grad, und die Attributtabelle desselben Angebots nennt ebenfalls 110 Grad. Der Dreierpack derselben Lampe trägt die 110 Grad bereits im Titel, und im britischen Marktplatz führt dieselbe ASIN den Zusatz 110 Degree Wide Beam Angle. Die 36 Grad stehen damit an genau einer Stelle, und es ist die Stelle, die niemand geprüft hat.
Für die Planung ist das kein Detail, sondern eine andere Lampe. Bei 1,50 Metern Abstand zwischen Decke und Arbeitsfläche zeichnet ein Kegel von 36 Grad einen Kreis von rund 0,98 Metern Durchmesser, ein Kegel von 110 Grad dagegen rund 4,3 Meter. Der eine setzt einen Akzent, der andere leuchtet flächig aus. Dazu passt die Spitzenlichtstärke von 252 Candela, die für einen Reflektor niedrig ist. Die Datenblätter beziehen die 591 beziehungsweise 600 Lumen ausdrücklich auf den breiten Kegel von 120 Grad. Wer Spots gekauft hat, um einzelne Zonen zu betonen, bekommt hier ein Grundlicht. Wie viel Licht ein Raum insgesamt braucht, steht in unserer Übersicht zu Lumen pro Raum, und wer noch in Watt denkt, findet die Umrechnung in der Lumen-Watt-Tabelle. Die 2700 Kelvin sind bewusst warm und passen zu Wohnräumen, wie wir es unter Lichtfarbe und Kelvin einordnen.
Was die Unterlagen nicht beantworten
Eine Nennlebensdauer in Stunden nennt keine der geöffneten Unterlagen. Die Datenblätter führen nur einen Lebensdauerfaktor von 0,90 und einen Lichtstromerhalt von 0,93, eine Schaltzyklenzahl fehlt ebenso. Die im Angebot genannten 25.000 Stunden haben damit keine Entsprechung beim Hersteller. Es fehlen außerdem eine Angabe zum zulässigen Betrieb in geschlossenen oder gedämmten Einbauleuchten, eine Betriebstemperatur, eine Dimmerfreigabe mit Typ und Mindestlast sowie eine EPREL-Eintragungsnummer zu dieser Modellkennung. Auffällig ist, dass im Umfeld derselben Seite ein Datenblatt eines anderen Linkind-Modells liegt, das die EPREL-Eintragungsnummer 2480688 und mit der Apex CE Specialists GmbH in Neuss einen deutschen Bevollmächtigten nennt. Beides fehlt beim hier besprochenen Modell.
Drei Werbeaussagen verdienen einen zweiten Blick. Die Formulierung frei von Blendung und Flackern steht der Unterlage entgegen: Unter Blendschutzschild tragen beide Blätter den Wert Nein ein, und Pst LM 0,2 sowie SVM 0,1 sind Messgrößen, keine Bestätigung für flackerfrei. Der beworbene hohe Farbwiedergabeindex über 80 ist im Datenblatt genau 80, und der R9-Wert von 11 für gesättigtes Rot bleibt der schwächste Einzelwert. Auch die 90 Prozent Energieersparnis sind kein gemessener Wert, sondern eine Rechnung gegen die im Blatt eingetragene Äquivalenzangabe von 75 Watt. Wie wir mit solchen Angaben umgehen, steht in unserer Arbeitsweise.
Unsere Einordnung
Als warmweißes Grundlicht in vorhandenen GU10-Fassungen kann dieses Fünferpack aus der Einstiegsklasse funktionieren, und zwar dann, wenn du den breiten Kegel bewusst willst und nirgends dimmst. Alles andere ist ein Kauf gegen die Unterlagen. Zwei Dinge solltest du vor der Bestellung selbst prüfen. Erstens den Sockel: GU10 hat zwei kräftige Stifte im Abstand von 10 Millimetern und wird mit einer Vierteldrehung verriegelt, GU5.3 hat zwei dünne Stifte im Abstand von 5,3 Millimetern und arbeitet an 12 Volt hinter einem Trafo. Schau in eine leere Fassung und zähle die Stifte, nicht die Watt. Zweitens die Einbautiefe: Die Lampe baut 54 Millimeter hoch bei 50 Millimetern Breite, dazu kommt die Fassung. In flachen Zwischendecken wird das eng, und wenn du ohnehin neu bohrst, lohnt der Blick auf komplette Einbauleuchten, dazu unser Datencheck zur Paulmann Nova Plus.
Beim Verbrauch bleibt eine ehrliche Spanne. Fünf Lampen ziehen je nach Datenblatt zusammen rund 31 oder rund 47 Watt. Bei drei Stunden am Tag sind das etwa 34 beziehungsweise etwa 51 Kilowattstunden im Jahr, und diese Differenz von rund einem Drittel geht allein auf den Widerspruch in den Unterlagen zurück. Was das kostet, ordnet unsere Seite zu LED-Stromverbrauch und Kosten ein. Unter dem Strich ist die Lampe technisch unauffällig, und die Dokumentation ist das eigentliche Problem. Ein Hersteller, der die Dimmbarkeit in zwei eigenen Blättern gegensätzlich einträgt und im Titel einen Abstrahlwinkel nennt, den die eigene Attributtabelle widerlegt, liefert keine Grundlage für eine belastbare Kaufentscheidung. Wer Planungssicherheit braucht, greift zu einem Modell mit einem einzigen, widerspruchsfreien Datenblatt. Passende Leuchten und Raumideen sammeln wir im Bereich Wohnlicht.
Weiterlesen: Philips LED Classic GU10 zum Vergleich, Osram Superstar Plus E27 als dimmbares Gegenstück, Watt und Lumen umrechnen, Lichtfarbe und Kelvin verstehen und unsere Quellenregeln.